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Etappe 7: Von Schwedt nach Blankensee

Etappe 7
Etappe 7
ABSCHIED VON DER ODER
ABSCHIED VON DER ODER
Aufbruch am Schlosspark Schwedt
Aufbruch am Schlosspark Schwedt

10 Uhr Sonntag früh. Ich habe gut geschlafen und noch besser im Parkhotel gefrühstückt: es kann weitergehen....

Ich Rolle am Märkischen Theater vorbei durch den Schlosspark und erfahre an einer Miniatur- Nachbaute des alten Hohenzollern-Schosses, das hier stand, dass es- bereits Ruinecseit 1945, im Jahr 1962 zugunsten des Theaterbaus gesprengt wurde. Ähnliche Bausünden sind mir etwa aus Kassel (Theater) bekannt, aber in der DDR waren solche Schlösser auch politisch zum "Abschuss" frei gegeben. Am Ufer entlang verlasse ich die Stadt und radele noch an der großen Papierfabrik entlang, während rechter Hand der Naturpark grüßt, den ich noch paar Km lang heute genieße....



Gartz
Gartz

Dank einer erstaunlich guten Verbindung höre ich unterwegs in unseren Livestream Gottesdienst rein, in dem mich Manfred Siebald dankenswerterweise Weise als Kantor vertritt. Ich freue mich über die heimatlichen Klänge bei traumhafter Kulisse während Scharen von Wasservögeln in den Teichen schnattern. Sonntag im Odertal, die Sonne strahlt bei blauem himmel herab und als in Mainz Abendmahl gefeiert wird, erreiche ich Gartz. Am Hafen gönne ich mir ein leckeres Eis (Abendmahl-Ersatz), setze mich ans Ufer gegenüber der zerstörten Brücke und beobachte einen großen Kahn, der vorbeizieht: bald wird die Oder polnisch nach Stettin hinüber fließen während ich den Flusslauf verlasse und durch die Uckermark zum Haff radele. 


Waden ahoi
Waden ahoi

Sofort nach Verlassen der Oder beginnt der Anstieg und beim Erreichen des ersten Ortsschildes mit "Bezirk Uckermark" wird mir klar, dass heute landschaftlich eher ein Verbindungsstück auf dem Plan steht. Nicht hässlich, garnicht: aber eben auch nichts was bisher den Oder-Neiße-Trail so einzigartig gemacht hat. Stattdessen Hügel, weite Felder Ackerflächen, schlechte Bodenbeläge bzw. Landstraßen. Nach dem Zittauer Gebirge ist das die Etappe mit den meisten Höhenmetern der Tour, aber mit einem ständigen Auf und Ab....

Einzige Highligts sind Penkun und Löckritz: an beiden Orten raste ich,schaue mich etwas um und kehre ein....


Panne
Panne

Vor Penkun beginnt mein Hinterrad zu klopfen, ich halte mitten in der Pampa bei ca. 29°C an und checke die Lage: ich vermute die Bremse, justiere die Klötze und zentriere die Speichen etwas nach ...dann rollts weiter, aber ganz weg ist es nicht...Mir wird bewusst, dass hier - zumal am Sonntag- erstmal Stop wäre bei einem Bruch. Mulmiges Gefühl  ich kontrolliere alle 5 km...

Löcknitzer See
Löcknitzer See

Die Strecke bei wieder starker Hitze zehrt an den Kräften, bis Löcknitz hab ichs trotz huppeligem Hinterrad geschafft, hier setze ich mich ans Wasser und genieße ein Eis. Den Seebad-Status hat der Ort seit den 20er Jahren, die großen Zeiten scheinen vorüber, dabei ist es wirklich hübsch hier. Direkt am See führt die Friedrich-Engels-Straße an einem großen Schulkomplex vorüber, der wohl im Sozialistischen Staat eine besondere Bildungsstätte gewesen sein muss: jetzt aufgrund Verfall und Asbest geschlossen. Im Seebad toben Kinder während am Wiesenrand Boote liegen: sehr entspannt hier: es wäre noch Platz für Ruhe Suchende...wohl zu abseits.


Ich lasse mir mein Eis schmecken und statte dann dem Burgturm einen Besuch ab (niemand da- Sonntagsruhe).Jetzt noch 18 km bis zu meinem Tagesziel Blankensee....

Ankunft in Blankensee
Ankunft in Blankensee
Wau
Wau

Der Campingplatz "Zauberwald" hinter Blankensee hat super Bewertungen, ich freue mich auf einen ruhigen Abend...

Als ich gg. 18 30 eintreffe ist niemand zu sehen, der Hund vor der Tür schaut kurz auf und legt sich wieder dösen.

Dann sehe ich einen weiteren Camper, der mir den Plath zeigt: ich baue mein Zelt auf und merke schnell, dass das hier ein liebevoll naturnah gemachter Urlaubsort ist : alles wirkt leicht improvisiert stellt sich dann aber als durchdacht und handgemacht heraus. Die Biotoilette, die Freiluftdusche, die Hütte mit Holzherd, der Trinkwasserwagen....Umgeben von Wald und Gebüsch füllt man sich schnell heimelig und am Herdplatz gibt's alles zum Kochen.

Ich komme schnell ins Gespräch mit einer jungen Familie aus Dresden, einem weiteren Radler, einer Familie mit Kanu und einer im Wohnwagem alleinreisenden Dame. Wir kommen zum Essen zusammen und tauschen uns über unsere Routen aus. Ich liebe solch ungezwungene spontan Gesellschaften : man erfährt so manches über Urlaub und Urlauber: und bekommt ggfs wertvolle Infos. In meinem Fall über die Fährverbindung und Camping an der Ostsee. 

Ich lasse mir meine Linsensuppe schmecken und habe noch das Brötchen vom Ziegenhof, dass ich mit Volker an der Oder gekauft hatte.

Was fürcein idyllischer Abend. Darüber  vergesse ich glatt mein Radproblem...

Zelt steht
Zelt steht

Lauschiger Abend
Lauschiger Abend

Lagerfeuer rundet den Tag ab. Am Feuer bei all den Geschichten, die erzählt werden fällt mir mein Hinterrad wieder ein  und als ich es erwähne stellt sich heraus, dass Bernd sich damit beruflich auskennt indem morgen früh mal drauf schauen möchte. Ich bin etwas erleichtert und später döse ich leicht am Feuer ein. Da kaum WLAN- Empfang herrscht kann ich den morgigen Tag noch nicht wirklich vorplanen: das wird schon....

Unfassbar, dass ich schon  über 500 km geradelt bin. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Ich gehe von 2 weiteren Etappen aus: eine hinüber nach Usedom und dann noch reine bis nach Ahlbeck an die See.

Eine Mischung aus Vorfreude und Wehnut begleitet mich ins Zelt....

Kaum habe ich mich im Zelt eingerichtet fängt es an zu regnen: nurxeon schwaches Tropfen  das aber eine Weile anhört und mich in den Schlaf dösen lässt.

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