Ich -Allein?

Wanderungen, Radtouren, Urlaubsfotos, Alltag....

Eventuell fragt sich so mancher warum ich auf meinen sozial feeds meist allein zu sehen bin.

Wer darüber hinaus weiß dass ich verheiratet und Familienvater bin wundert sich evtl. noch mehr.

Warum ist das so? Ich meine, sowohl als auch: warum poste ich einerseits keine Familienfotos und warum andererseits kommt sowas einigen hier merkwürdig vor?

Heaven
Heaven

Vorgeschichte


Ich bin ein sogenannter Digital Immigrant, meine primäre Sozialisation kam noch ganz ohne Smartphone, Internet, ja sogar ohne Netflix aus.

In den 90ern hatte ich noch keines der "Handys", dafür aber mit Studienbeginn eine Mailadresse und ein 14,4k -Modem. Die Digitalkamera zog erst gg.1998 nach, noch später das erste Handy (2000) und im Jahre 2010 besaß ich dann mein erstes Smartphone was diesen Namen verdient.

Im Internet war ich zuerst bei wkw dabei, später im frühen facebook. Eine eigene Homepage legte ich mir etwa 2001 an und durch zahlreiche administrative Aufgaben finden sich seitdem auch noch zahlreiche andere Orte und Spuren von mir im Netz.

Als Lehrer bekomme ich seitdem  relativ direkt die neuesten Trends über meine Schüler mit und so ergänzte ich zuerst whatsApp, dann schaute ich mir Instagram an. Auf Twitter und Snapchat habe ich bis heute verzichtet. 

Es ist also etwa so wie bei einem Einwanderer, ich betrat stets ein neues Fleckchen Land, das kurz zuvor erschaffen worden war.

Ich kenne auf dieser "Wanderung in neue Länder "unterschiedliche Haltungen und Erfahrungen von mir und meinen Zeitgenossen,insbesondere meinen Freunden und meiner Familie . Das hat mich immer zum Nachdenken angeregt und mir eine "historisch-kritische" Ebene bewahrt, die Digital Natives in der Form vielleicht nicht aufbauen. Ich würde dennoch behaupten, dass ich mich in "Digitalien" ebenso gut zurechtfinde wie so mancher "Ureinwohner."

Wir leben im selben "Land", haben aber doch unterschiedliche Deutungsmodelle.

Ich hole ziemlich aus , aber es geht letztendlich um Prägung und Kommunikation- das muss verständlich werden.

Wenn ich gleich konkret werde ist mir wichtig zu betonen, dass ich hier einen Standpunkt, sagen wir mein Deutungsmodell, vertrete und natürlich auch andere Sichtweisen kenne und nachvollziehen kann. Auseinandersetzung darüber ist immer willkommen.

Respekt
Respekt

Respekt


Meine Frau ist in Sachen digitales Leben das ziemliche Gegenteil von mir. Das gibt mir viel Reflexionsfläche und hilft mir einiges besser zu verstehen in meinem Verhalten. Das fängt beim grundsätzlichen traditionellen Medienkonsum an (z.B. Fernsehen) und geht über Internetnutzung bis hin zum Social Media. Die Neugierde, Praktische Nutzung, symbolische Interaktion, Ich-Konstruktion, Suchtverhalten, Prokrastination, Kontaktveränderung, Datenschutz....alles Themen die diskutiert werden.

Askese, Verweigerung gegenüber übergriffiger Technologie, Skepsis gegenüber neuen Zeitfressern, Achtsamkeit, Traditionelle Freundschaftspflege,...spannende Themen, denen wir uns aussetzen.

Das ist also über allem was ich sagen will wichtig: Respekt und Achtsamkeit.

Wenn ich noch nie etwas bei Facebook etc. über meine Frau gepostet habe entspricht das ihrem Wunsch und ist zunächst mal eine Selbstverständlichkeit.

Bereitschaft
Bereitschaft

Bereitschaft und Bedenken


Ich merke gerade, dass ich natürlich mit dem letzten Absatz etwas inkonsequent geworden bin und doch etwas über meine bessere Hälfte gepostet habe. Ist in diesem Fall notwendige Ausnahme.

Ich habe grundsätzlich eine Bereitschaft Gedanken, Informationen  Fotos auch in einem sagen wir teilweise  indefinitem/virtuellem Rahmen zu teilen solang Austausch oder Sinn dahinter auszumachen sind. Damit ziele ich nicht in erster Linie auf eine quantitative Ebene (wie viele likes).

Solange diese grundsätzliche Bereitschaft sich die Waage hält mit den üblichen Bedenken (Relevanz, Datenschutz, Sinn), lasse ich mich auf dieses Spiel ein und gehe dann auch eher spielerisch damit um. 

Die bescheidene Grundthese lautet: was ich verbreite ist hinreichend unspektakulär bis banal, dass das spezifisch persönliche daran wiederum nur für sehr wenige so interessant ist, dass sie es zur Kenntnis nehmen. Alles andere ist nur in der Theorie existent und fällt durch alle Speicher-Relevanzen ins Müriarden-Datennirvana. So what?

Und ja: ich mache mir damit natürlich was vor. So tun wir das alle um die digitale Entblößung zum Normalfall zu erklären. Die Sache ist nur: gilt das auch wenn man es weiß, sich selbst total durchschaut und es trotzdem tut? ( Wer kennt noch das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern?)

Man muss eine grundsätzliche Balance zwischen Bedenken und Bereitschaft finden, die man auch leben möchte. Und diese steht dann nicht allein im Netz, sondern sie tangiert auch unsere Freunde und Familien. 

Verantwortung
Verantwortung

Verantwortung


So wie ich meine Balance in der Digitalen Welt für mich finden musste gestehe ich selbstverständlich auch meiner Frau zu, dass sie sich aus Gründen Ihrer Balance aus vielem Web -Leben grundsätzlich heraushält. 

Nochmal anders ist es wenn es um unsere Kinder geht. Hier geht es nicht nur um Respekt sondern zusätzlich um eine Verantwortung, die wie ich finde von vielen Eltern unterschätzt wird.

Viele Bekannte und Freunde posten in schöner Regelmäßigkeit Fotos von ihren Kindern - gleich nach der Geburt bis ins Grundschulalter ist alles jederzeit dokumentiert. Schöne Fotos darunter.

Die Kinder können entweder nicht dazu befragt werden oder man möchte nicht Bedenken in Kinderköpfen säen. 

Ich habe mir früh vorgenommen, meinen Kindern kein "Datenarchiv" bei Google oder Facebook anzulegen bevor sie das nicht selbständig wollen/verwalten können.

Und zweitens möchte ich nicht der Versuchung erliegen meine Kinder als Dokumentations-Statisten für meine Selbstdarstellung zu missbrauchen. Profile im Netz sind aber zu oft genau das.

Das gehört für mich zur digitalen Verantwortung dazu.

Ich freue mich derweil daheim an Tausenden schöner Familien- Fotos! Nur dass sie nicht voraussetzungslos hierher gehören. 



Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Annette (Mittwoch, 02 Oktober 2019 12:11)

    Klingt sehr gut und ZACK, ertappe ich mich dabei, wie ich diese Meinung mit meiner eigenen verknüpfe! Kinderfotos kann man zumindest zensieren, finde ich :-)