Auf dem Main-Radweg

27.07.2019

Etappe 6 Frankfurt nach Mainz/Heidesheim (43/60km)

Der letzte Abschnitt lag vor uns und zugleich die lang erwarteten Gewitter und der Regen. Die Main-Promenade war an dem morgen ein Spießrutenlauf, da überall Scherben lagen. Wir hatten gerade heute früh einen Hinterrad-Platten bei Marieke flicken lassen, daher waren wir besonders vorsichtig. Unglaubliche Sauerei auf den Quais: muss wohl ne Party gewesen sein...

Ab Schwanheim lief es dann rund und wir konnten die Regenwolken aufziehen sehen, die uns schließlich bei Höchst erwischten. Also: alle Taschen einpacken, Regenjacken raus, Helmschutz drauf und schon kanns weizer gehen. Der Regen störte eigentlich kaum, war ja angenehm nach all der Hitze, nur die trübselige Etappe wurde dadurch nicht gerade unterstützt. Bei Höchst gehts direkt durch das Werksgelände ...

Dann Brückenquerung und ab dem kleinen Park von Okriftel wars wieder ok. Der Main treibt breit und großstadtgesättigt seiner Mündung entgegen. Die Siedlungen enden nicht mehr, wie ein Bindfaden reigt sich Hafensteg an Stadtufer an Industrie. Flörsheim und Hochheim sind noch zwei Stationen, aber irgendwie waren wir von den Etappen zuvor etwas verwöhnt und nutzten die Orte nur noch zum Rasten und Essen. Und natürlich setzte auch der zug zur Mündung bei uns ein: der Countdown der Kilometer bis Mainz!! Der Heimweg...

Ab Kostheim spätestens war alles sehr vertraut und man entspannte sich, begann innerlich schon mit dem Rückblick.

Immer am Fluss gings auf die Maaraue und dann bei Km 0,0 waren wir am Ziel. Mainz, Main und Rhein werden eins.

Nach 6 Tagen ein wirklich schöner Moment, das Erreichen eines Ziels. Und das Verknüpfen von bekannten mit unbekannten Orten zu einer neuen inneren Landkarte. Hier endet der Main- Radweg und geht in zahlreiche andere radwege auf, nicht zuletzt natürlich den Rhein- Radweg.

Meine Familie nimmt ab hier den Zug nach Hause, während ich mit dem Anhänger keine Lust auf Bahn habe und lieber bis ganz nach Hause radele. Also über die Theodor- Heuss- Brücke, dann am Rhein entlang bis Budenheim und dann ab nach Heidesheim: allzu vertraute Route, durch den Regen, noch ein letztes Mal durchziehen. dann ankommen!

Gesamtstrecke: ca. 305 km.

 

26.07.2019

Etappe 5: Seligenstadt bis Frankfurt Römerberg (36 km)

Heute verlassen wir den "ländlichen Main": er wird jetzt in den Ballungsraum fließen und natürlich ist da viel Industrie links und rechts. Ein völlig anderer Charakter.

Vorbei am Kraftwerk Staudinger genießen wir dennoch den flussnahen Weg im Grünen und kommen in Steinheim an einem hübschen alten Schlösschen vorüber. Da wir linksmainisch bleiben lassen wir Hanau rechts liegen und sehen das Schluss nur im Vorüberfahren.  Die Route ist heute knapper und soll uns Zeit in Frankfurt lassen wo wir Station machen. Um es kurz zu machen: in Rumpenheim (Offenbach) machen wir eine kurze Rast und fahren dann schnell an Offenbach vorbei, das uns als Radlern nichts zu bieten hat (außer ein Eisbecher an den neuen  Hafenhäusern!)

Die Skyline von Frankfurt immer im Blick rollt es jetzt ganz von allein. Der Radweg ist bis zuletzt tatsächlich flussnah und weitgehend grün. So kommen wir nach Frankfurt Sachsenhausen wo wir Quartier machen. der Rest des Tages gehört dem Sightseeing, dem Shoppen und Schlemmen. So kommen auch noch einige km per pedes hinzu....

 

25.07.2019

Etappe 4: Wörth bis Seligenstadt (48 km)

Schon Donnerstag! Wir stehen früh auf, lassen uns das Frühstück schmecken und wollen vor der Hitze schon ein paar Km geradelt sein. So ganz geht der Plan nicht auf, da wir bei Niedernberg an einem traumhaften Badesee vorüber kommen und uns 14 km erst einmal in das kühle Nass stürzen. Zu schön!! Und mit nassem Radshirt radelt sichs hinterher auch wieder schön frisch....

Bis nach Aschaffenburg bleiben wir linksmainisch und kreuzen den Limes- Radweg noch für eine Weile,  kommen schließlich über die Brücke  zur Stadt hinüber und genießen die thronende Schlosskulisse.  Bis 1803 gehörte auch Aschaffenburg zum Mainzer Kurfürstentum!  In der Innenstadt ruhen wir uns etwas in einem Park aus, belohnen uns mit einem Becher Eis und füllen die Flaschen auf. Dann schlendern wir durch die Fußgängerzone zum Schloss und umrunden das Wahrzeichen der Stadt. Bemerkenswert auch das Römische Villen-Imitat "Pompejanum" beim Stadtausgang, das wir zurück auf dem Mainradweg kurz samt Tempel bestaunen.  Trotzdem - so denke ich - ist es  bei  diesem Wetter am Fluss angenehmer als in der City....

Von Aschaffenburg bis Karlstein gehts rechts des Mains, dann wechseln wir wir die Seite und verlassen damit Bayern. Seligenstadt ist unsere erste Station auf hessischem Boden. Den Weg markieren oft die Staustufen mit Schleusen-wehr, oft müssen die großen Schiffe hier geduldig warten bis abgesenkt ist. Wir hingegen nutzen eine Wehr zum Überqueren und nehmen dafür auch mal eine Schieberille in Kauf (mit Anhänger echt sportlich!!)...

In Seligenstadt angekommen sind wir äußerst angetan von diesem wunderschönen Städtchen, von dem wir so gar nichts wussten. Im Hotel auf dem Marktplatz bekamen wir noch Logis und so erkundeten wir das Stadtzentrum, den ganzen Abend lang in aller Ruhe. Die offenbar berühmtre Eisiele am Stadteingang haben wir auch geprüft und für sehr gut befunden. Aber das Kloster (Einhardsbasilika)  ist doch das beeindruckendste! Die ganze Anlage, die Gärten, die Düfte, die Archikektur,....was für ein Schatz an diesem Ort! Und ein paar Meter entfernt stehen Überreste eines Palatiums von Kaiser Barabarossa. der Ort hat Geschichte! Dass die Stadt reich war kann man an allen Ecken beobachten, alle Plätze mit prachtvollen Bürgerhäusern, geschnitzten Figuren, Türmen,....

 

 

24.07.2019

Etappe 3: Wertheim nach Wörth a.M. (48 km)

Hinter Wertheim sind wir wieder auf die rechte Mainseite gewechselt: im Grunde kann man meistens auf beiden Seiten fahren, aber je nach Führer gibt es da eine "Hauptroute". Die Schilder beiderseits des Flusses sind da ganz nüchtern und unvoreingenommen. Dennoch kann man sagen, dass jetzt rechts des Mains ein angenehmeres Radeln war- genug Platz und schöner Aussichten entlang der Dörfer Hasloch, Faulbach und Stadtprozelten, die selbst eher verschlafen denn interessant sind. (Lustig, das hinter Stadtprozelten gleich Dorfprozelten kommt....) Immerhin fanden wir in Collenberg ein Café wo wir ein verspätetes Frühstück im klimatisierten Saal genossen. Draußen waren es nun schon fast 39 Grad und da tat das gut.Wir hatten uns tatsächlich die heißeste Woche des Jahres für die Radtour ausgesucht! Wie schon letztes Jahr auf dem Moselradweg....

Die vielen Bögen die der Main macht sorgen stets für neue Blicke ins Tal, man sieht nie zu weit voraus: hinter Freudenberg wo wir den Main überquerten verließen wir Baden Würtemberg wieder und fuhren weiter in Bayern (Nicht dass das relevant wäre :-)

das Hauptziel des Tages war natürlich die alte Stadt Miltenberg, in der lange Zeit die Erzbischöfe von Mainz das sagen hatten. Hier prangt daher noch oft das Mainzer Rad an den alten Amtshäuserwänden. Auch ein altes Gasthaus mit Empfehlung aus Churmainz war zu sehen. Es war so heiß als wir das alte Brückentor passierten, dass wir zunächst nur Augen für ein erfrischendes Eis hatten. Danach bestaunten wir den wunderschönen Marktplatz und die geschlossene Schönheit der Architektur: Miltenberg ist definitv ein Schmuckstein am Main!

Ein besondere Entdeckung war für mich der Komponist Joseph Martin Kraus, der 1756 hier geboren wurde und 1792 in Schweden starb. Er wird auch der "Odenwälder Mozart" genannt. Hier der Wiki-Artikel zu ihm. Ich höre seither ein wenig seiner Werke (Sinfonien, Streichquartette und ein beachtliches Requiem!) und bin angenehm überrascht: wieder mal ein Fall von zu Unrecht in Vergessenheit geraten, wobei er hier in Miltenberg natürlich nicht vergessen ist: vor seinem Geburtshaus haben sie eine elegante Bronze Statue errichtet. Ein ehrenwerter Sohn der Stadt.

Wir schieben die Räder entlang der schönen Fachwerkhäuser, der Weinkeller und nehmen langsam Abschied um weiter zu radeln, wir haben uns gerade erst das Ziel für heute gesetzt: es soll nach Wörth gehen. Noch etwa 12 km, bei deer drückenden Hitze noch eine Strecke, aber mit der Aussicht auf eine schöne kleine Pension mit Dusche rollt es wieder...

In Wörth angekommen sind wir erstaunt: auf der anderen Mainseite ine große Reperatur-Werft für Transportschiffe und Wörth mit einer schönen Stadtmauer, die mit aktuellem Hochwaserschutz ausgestattet zu sein scheint: Klappen, Metallschleusen/türen,... Hinter dem Letzten Stadtturm liegt der Zugang zu unserer Pension und wir können wir können erst mal "absatteln". Zeit zum Erfrischen und später Essen und Spazieren. Ankommen ist immer wieder schön...

 

23.07.19

Etappe 2: Lohr bis Wertheim (47km)

 

Entlang des Mains geht es heute vorwiegend südlich, immer an der Landesgrenze zu Baden- Würtemberg entlang. Am linken Ufer des Mains hat BW ca. 25 km Anteil am Fluss, der Rest liegt vorwiegend in Bayern und Hessen. Schön gemacht sind daher die Grenzsteine auf dem Fahhradweg, die uns auf die Ländergrenze hinweisen, die wir entspannt überqueren.

Hier tauchen auch einige der selteneren Weinanbaugebiete des Mains auf (bei Homburg etwa): ein Anblick, den man z.B. im Moseltal so schätzt. Insgesamt aber doch überwiegend Ackerbau, Felder und Bauernhöfe. Auch ist das Maintal nicht schmal und tief sondern eher weit. Wir fahren an einigen Abbruchhängen des Sandsteins vorüber, selten aber ist das Tal eine "eingeschlossene" Wasserstraße.

Bei Homburg kommen wir am Kloster Triefenstein vorbei, an den regelmäßigen Staustufen und Schleusen, die der Fluss hat und bei Homburg finden wir eine idyllische Badestelle im Main und rasten bei immerhin bereits 35 Grad. Wunderbare Erfrischung an schattigen Bäumen und einem breit dahintreibenden Fluss.

Unser Tagesziel ist Wertheim wo wir auf dem Campingplatz eine Bike-Lodge gemietet haben: spannend wie man darin wohl schläft...bei 38 Grad wars erstmal brüllend heiß, aber abends kühlte es bald ab und wurde dann schon ziemlich urig. Unten parken die Räder und oben hat man sein Nest (inklusive Bettzeug und Strom!). Für vorbeiziehende Radler eigentlich ziemlich cool! Einziger Haken am Camping-Aufenthalt: die einzigen Störenfriede des gesamten Areals nächtigen augerechnet neben uns: schwatzhafte und bis 2.30h lauthals saufende Holländer. Zum Glück gibt es Kopfhörer...

Wertheim ist ein ausgesprochen schönes Städtchen am Zufluss der Tauber in den Main. Auf dem Berg thront die Burg und die Gassen sind herrlich eng und verschlungen. Gemütliche Kneipen und Fachwerkhäuser an jeder Ecke! Hier endet der Taubertal-Radweg, der auch sehr hübsch sein soll. Radwege.....

 

Montag, 22.07.

Etappe 1: Würzburg bis Lohr am Main (64km)

 

Für den ersten Tag haben wir uns etwas mehr vorgenommen, da die große Hitze noch nicht da ist und wir noch ausgeruht sind. Die Wettervorhersage wird ja recht behalten und uns später an die 40 Grad-Grenze führen...

Heute ist aber perfektes Radelwetter und es geht entspannt entlang am Schloss Veitshöchheim, Karlstadt und Gemünden bis ins wunderschöne Fachwerkstädtchen Lohr im Spessart. Die Radstrecke ist äußerst gut in Schuss, die Beschilderung lückenlos und gut angebracht, sodass wir uns ganz auf die Umgebung, den Fluss und das Radeln konzentrieren können. Erfrischungspausen und Sightseeing sind meist identisch: immer in Flussnähe  kommt man sehr gut voran.  In Karlstadt sitzen wir mittags auf dem Marktplatz und genießen ein Eis als vom Rathausturm ein Trompetensolo/Volkslied  erschallt (elektronisch, aber gut gemacht): sehr urig mit Blick auf die Burgruine aus dem Bauernkrieg und das Stadttor. Hier ist man ganz tief in Unterfranken und fernab der Großstadt.

Auf dem Weg begegnen wir oft Reihern und auch Störchen, die es sich hier gut gehen lassen. Der Main ist bereits beachtlich breit und man lässt ihm hier auch Raum. 

In Gemünden kommen gleich zwei Flüsse hinzu: die Sinn mündet in die (fränkische) Saale und diese schließlich in den  Main. Man kommt als Radler fast etwas durcheinander bei den ganzen Brücken, zumal da auch noch Baustellen waren.... Wir schauen uns im hübschen Städtchen um, füllen die Wasserflaschen und radeln weiter.

Lohr ist das Tagesziel und sicher neben dem Rokoko-Schlösschen in Veitshöchheim der Höhepunkt des Tages. Absatteln und nach der Dusche erstmal Spazieren/Essen gehen.  


6 Tage  Radtour am Main- dieses Jahr eine Flussradtour mit der ganzen Familie!  

Gestartet sind wir Sonntag früh mit der Bahn nach Würzburg, wo wir uns einen Tag Zeit zum "ankommen" und Sightseeing genommen  haben.  

Ich habe ja als Radler mit der Bahn so meine Erfahrungen, aber auf dieser Strecke lief die Beförderung soweit reibungslos, selbst mit 4 Rädern und Anhänger. Das Quer-Durchs-Land-Ticket (Aus RLP, durch Hessen nach Bayern) ist auch eine prima- Spargelegenheit zu viert!

Ansonsten: Familientauglich sollte die Tour sein  und interessante Wegziele. Ich kann vorweg nehmen, dass der Main-Radweg diesen Wünschen voll entspricht!  Aber wie sind wir überhaupt auf den Main gekommen?  Erstens wollten wir mit möglichst wenig Bahnbeförderung auskommen, also eher in der Region bleiben: durch den Main können wir sogar komplett nach Hause radeln! Und zweitens bekam ich letzten November von meinen Abiturienten der BigBand exakt den Radwanderführer für diese Tour geschenkt. Coole Sache! Nochmal also Danke an Laurids, Simon, Sebe, Robin und Lukas für die feine Idee!  

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