Fastenzeit& Lockdown

Fasten im Lockdown?
Fasten im Lockdown?

Mancher mag es für merkwürdig halten wenn jetzt, inmitten harter Einschränkungen, die Passionszeit beginnt und einige von Fasten sprechen. Sicher: der Coronawinter hat uns gemästet, unfit gemacht und da steht jetzt vielleicht Diät gut zu Gesicht....Aber noch mehr Entbehrung? Mir geht es nicht in erster Linie um die Ernährung, auch wenn ich auf Fastfood und Alkohol verzichten werde.

Ich habe mich in diesem Jahr dazu entschlossen, meine Nachrichten-Rituale zu fasten, d.h. z.B. TV-Nachrichten und digitaler Newsfeed. Ich habe mich in den letzten Wochen daran aufgerieben und benötige Abstand von der übergroßen Dominanz der Diskussionen, Sorgen und Streitereien um die richtige Corona-Politik. Nun noch der Wahlkampf.....Was für mich unmittelbar gilt an Schule und Gemeinde gelangt ja zu mir. Zur Pandemie habe ich eine Perspektive/Haltung und darüber hinaus möchte ich jetzt versuchen mich auf andere Dinge zu fokussieren. Die Arbeit greift derzeit ja ohnhin schon mehr in mein Privatleben ein....

Ich halte unsere öffentlich-rechtlichen Medien nach wie vor für bestens geeignet uns Fakten und Einschätzungen auf höchstem Niveau zu übermitteln. Für mein Empfinden sind wir aber in einem Nachtichten- Sog, dem ich mich jetzt für 7 Wochen ein Stück weit entziehe. Das ist kein zusätzlicher Verzicht, sondern ein ausgleichender Verzicht. Letztlich gewinne ich den Blick auf Ostern als bestimmendes Thema meiner Passionszeit zurück...


Corona Bart
Corona Bart

Im Lockdown waren ja die Frisöre geschlossen. Ich habe mich dazu entschlossen den Bart nicht zu rasieren, sozusagen aus Solidarität. (Immerhin konnte ich mir ja problemlos den Schädel rasieren.)

Nun steht das Gestrüpp (der "Cirona-Bart") und ich überlege wie lang es dran bleiben soll. Hier ein kurzer Vergleich zu vorher. Irgendwie werden durch die Pandemie manche Dinge belangloser. Ich nenne das den Robinson-Effekt (nach Robinson Crusoe).

April

Ein kurzes Fazit zu meiner Nachrichten-Abstinenz. Es fällt mir mittlerweile schwer, wieder davon zu lassen....

Den Blick von den Zahlen, den Statistiken, den Prognosen, den Protesten, Verschwörungsansätzen, allseits diskutierten Veränderungen zu entfernen hat  ein wenig mehr- wenn auch nur begrenzt- Ruhe in meinen Alltag gebracht.  Es ist ja das altbekannte Phänomen, dass  sich vor allem schlechte Nachrichten gut   einprägen und verbreiten. "Focus on the good" ist selten populär und auch schwerer durch zuhalten. Das gilt fürs Lehrerzimmer wie für die Nachbarschaft, die Gemeinde,  manchmal sogar in der Familie.  Nach ein paar Wochen  beginnt es zu wirken und du merkst, wie andere Dinge, Wahrnehmungen dich leiten. In meinem Fall bewusst Musik hören,  Vorbereitung auf Ostern,  ein wenig Arrangieren und Produzieren, Telefonieren und viel Wandern/Spazierengehen, Lesen.

Man erfährt ja immer noch genug von der Krise, z.B. auf dem Dienstweg.  Eine lustige  Erfahrung dazu:  eine Klausur konnte in Präsenz wieder geschrieben werden, nun fehlten aber einige Schüler/innen wegen Quarantäne. Ich habe einen Ersatztermin angesetzt und  nicht weiter darüber nachgedacht.  Inzwischen fand die Konferenz anlässlich der "Osterruhe" statt, eine pandemie-politische Episode, die komplett an mir vorüber ging, da ich die Nachrichten nicht sah. Inzwischen kamen  aber mehrere mails an, die von der Osterruhe und den Verlegungen sprachen. Bis ich die zur Kenntnis  nahm, darunter auch eine aufgeregte Schüleranfrage wegen des Klausurnachtermins, war das Thema bereits  wieder von Tisch. Den Shitstorm, der sich anschloss habe ich auch verpasst.  Habe ich etwas verpasst? Nein. Ich habe definitv etwas mehr Ruhe  gewonnen. Von diesen Beispielen gab es nun viele in den vergangenen Wochen. Ich habe wahrlich nichts relevantes verpasst, ich habe lediglich das Tempo der mich umgebenden Unruhen aus meiner Wahrnehmung herausgenommen, das war eine gute Erfahrung.  Ich versuche mir diese Erkenntnis zu bewahren in der Zeit nach Ostern.  Focus on the  Good, worauf ich meinen Blick wende, das leitet meinen Geist. Was meinen Geist leitet,  bestimmt auch mein Gemüt.

Es ist Ostern! Halleluja!

Ostern im Livestream- Gottesdienst intonierte  ich ein  hebräisches Anbetungslied zu Johannes 3,16. (Mein Fastenspruch).

Im Anschluss hab ich es im HomeStudio etwas erweitert. Zu meiner Freude hatte es Shula, meine Bekannte aus Israel gesehen und war durch die sprachliche  Nähe berührt.  Nähe ist nicht nur eine räumliche Kategorie.

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